Noch 8 Viertel bis zum Podium

München siegt gegen Pforzheim und Ludwigsburg – Platz 3 zum Greifen nahe

Es wird wohl kaum ein Tor geben, das so bejubelt wurde wie jenes 4:4 im schwäbischen Nieselregen am Sonntagmorgen in Ludwigsburg. Münchens Bank jubelte frenetisch und sogar dem stets grimmig den Gegner erwartenden Münchener Schlussmann Viktor Sipos ging ein kurzes Lächeln über die Lippen. „End geil – das ist mein schönstes Geburtstagsgeschenk – ich freue mich so für Ihn“ freute sich Münchens Jungspund German Kulnevsky, der tags drauf seinen 17. Geburtstag feierte.

Was war passiert? „Ein Wunder – ich hätte nicht gedacht, dass es diese Saison noch einmal passiert“, freute sich auch Kapitän Ristić nach dem Spiel. Zum einen begann mit dem 4:4 Münchens stärkste Phase, auf die Münchens zweite Führung, welche fortan nie wieder abgegeben wurde, folgte. Doch viel entscheidender war der Torschütze – Münchens Center Matthias Krimphove. Jene fleißige Arbeitsbiene, die in dieser Saison nur durch tollpatschige Rollen aufgefallen ist und den Zweitliga-Rekord für die meisten Centerminuten ohne eigenes Tor schon gefühlt unzählige Male verbesserte. „Im Pokal klappte es bei Ihm immer gut, aber als ich auf dem Spielbericht sah, dass er ein Tor gemacht hat, habe ich erst an einen Fehler gedacht. Dieses Tor hat er sich verdient“, so Spielertrainer Ivan Mikić, der am Doppelspielwochenende beruflich verhindert war. „Aber mein Lob geht an die ganze Mannschaft – ich habe sie am Donnerstag auf die beiden Spiele eingestellt, wissend, dass wir gerade beim Heimspiel gegen Pforzheim sehr dünn besetzt sein werden. Zwar wusste ich, dass alle heiß sein werden und dass mich Marko Ristić gut vertreten würde, aber gerade gegen Pforzheim muss man einen kühlen Kopf bewahren. Umso glücklicher war ich, als unser alter Haudegen Aitor Benavent Cabanos für seinen ersten Einsatz zusagte. Jetzt müssen wir noch zwei Spiele gewinnen und holen zum zweiten Mal in Folge eine Medaille.“

In der Tat bekamen die Zuschauer am Samstag im Bayerischen Regen eine ungewohnte Münchener Mannschaft zu Gesicht – so sorgten zahlreiche Ausfälle dafür, dass Jugendspieler Kulnevsky unter den Feldspielern mit den meisten Einsatzminuten in dieser Saison war. Doch alle waren heiß auf die Revanche. „Das Spiel in Pforzheim war ein Tiefpunkt in dieser Saison – wir waren in der Minute, in der wir das Becken dort verlassen haben, schon heiß auf die Revanche“, fasste Marko Polunić, mit drei Toren bester Münchener Werfer, die Stimmung vor dem Spiel zusammen. Kapitän und Interimstrainer Ristić fand vor dem Spiel die passenden Worte an seine Männer: „Wir müssen heute sachlich spielen – Pforzheim liebt das emotionale Spiel, das müssen wir heute unterbinden. Wenn wir gleichzeitig ruhig und aggressiv spielen, werden wir hier gewinnen.“

Und so kam es dann auch: abgesehen von einer Schwächephase im zweiten Viertel kontrollierten die Landeshauptstädter das Spiel, ließen Kapitän Ristić mit fünf Toren und Brinio „de Bliksem“ Hond mit zwei Toren glänzen und fuhren einen 11:9 (4:2; 3:4; 4:1; 0:2) Sieg ein.

Diszipliniert schwammen sich dann auch die Spieler vernünftig aus, denn jeder wusste, dass es 16 Stunden später wieder ins Wasser ging, zum schwerer eingestuften Spiel in Ludwigsburg. Aus jenem Spiel trug Torwart Robert Idel noch ein Trauma im Hinterkopf: „Ich habe damit gerechnet, dass es höchstens gefühlt 10 Grad Wassertemperatur werden würde – vor 5 Jahres war es einmal so, die Zuschauer saßen mit Winterjacke auf der Tribüne und ich hatte Angst, meine Zehen zu verlieren. Daher habe ich mich mit Chilli-Schoten ausgerüstet, um bei jedem Angriff von uns damit mein Körperinneres aufzuwärmen. Gott sei Dank war es aber nicht so kalt“.

Ristić’s Ansprache vor dem Spiel war ähnlich wie jene vom Vortag – und die Marschrichtung war ebenso klar – mit einem Sieg würde München einen großen Schritt in Richtung Bronze-Medaille machen. Ebenso ähnlich war dann auch der Spielverlauf – München kontrollierte ganz ruhig das Spiel und zog im zweiten Viertel durch wunderschöne Konter auf eine 8:6 Halbzeitführung davon. Angetrieben von einem glänzend aufgelegten Anton Spanjol, der am Tag zuvor noch mit Cannstatt das Finale der Jugendbundesliga verloren hatte, zeigten die Bayern im dritten Viertel dann ihre ganze Klasse und siegten auswärts mit 9:13 (4:3; 2:5; 1:3; 2:2).

Noch zwei Siege trennen die Bayern von der zweiten Medaille in Folge – und der Gegner wird zweimal der VFB Friedberg sein. Zuerst geht es am Samstag nach Hessen, eine Woche später wird dann die Saison in München abgeschlossen. Auch wenn mit Würzburger Schützenhilfe auch nur ein Sieg reichen würde, ist für alle klar: Die Saison soll mit zwei Siegen abgeschlossen werden. Und vielleicht trifft Matthias Krimphove ja erneut.

SG Stadtwerke München – 1. BSC Pforzheim 11:9 (4:2; 3:4; 4:1; 0:2)

SG Stadtwerke München: Viktor Sipos (TW) und Robert Idel (TW), Brinio Hond (2 Tore), Marko Polunić (3), Matthias Krimphove, German Kulnevsky, Anton Bander, Marko Ristić (5), Stefan Kovacević, William Gorin (1), Niklas Trommer, Aitor Benavent Cabanos

SV Ludwigsburg 08 – SG Stadtwerke München 9:13 (4:3; 2:5; 1:3; 2:2)

SG Stadtwerke München: Viktor Sipos (TW) und Robert Idel (TW), Brinio Hond (2 Tore), Marko Polunić (2), Matthias Krimphove (1), Harris Hadjioannou (1), German Kulnevsky, Marko Ristić (5), Stefan Kovacević, William Gorin, Niklas Trommer, Jan Krollmann, Anton Spanjol (4)

Münchens Wasserballer scheitern nach hartem Kampf beim „Heimspiel“ in Würzburg gegen den Topfavoriten

„Uns hat das Lospech so geärgert, dass wir beschlossen haben, aus dem Spiel ein Heimspiel zu machen“, sagte Mikić auf der Rückfahrt vom Pokalfight in Würzburg. „Wir hatten einen Bus mit Fans dabei, die Halle gehörte uns – und auch im Wasser haben alle meine Spieler alles gegeben – doch es hat leider nicht gereicht. Würzburg war cleverer und das Glück im Abschluss war heute nicht bei uns“, fügte er, von der bitteren Niederlage gezeichnet, hinzu.

Zum bisherigen Saisonhöhepunkt reisen die Wasserballer der SG Stadtwerke München an diesem Sonntag nach Würzburg und wollen dort mit einem Sieg im Halbfinale den Einzug ins Finale des Süddeutschen-Wasserball-Pokals klarmachen.
 
In der vergangenen Saison verloren die Jungs von der Isar gegen den späteren Aufsteiger aus Fulda noch recht klar im Halbfinale, womit ihnen das Pokalendspiel natürlich verwehrt blieb. Dieses Jahr soll es anders werden: Zwei intensive Trainingspiele gegen die sehr gut aufgestellte Mannschaft aus Salzburg, akribische Analyse der gegnerischen Spielzüge und dementsprechend perfekt abgestimmte Taktik sowie die ausgiebigen Schwimmeinheiten sollen in dem anstehenden Match den entscheidenden Unterschied zu Gunsten der Münchner ausmachen.   
 
„Wir sind heiß, heiß, heiß“,

Nicht gut, aber genug

München müht sich am vergangenen Samstag in Darmstadt zum Auswärtserfolg.

Vier Stunden hatten Sie Zeit – das erste Mal seit November, als sich Münchens Torwart Robert Idel am Ellenbogen verletzte, verbrachten Idel und Trainer Mikić wieder viel Zeit zusammen in der Frontreihe des Mannschaftsbusses. Vier Stunden – genug Zeit für die beiden akribischen Wasserballphilosophen, einen Matchplan zu erstellen. Und dieser brachte viele Überraschungen: So fanden sich Münchens Kapitän Marko Ristić ebenso wie beide etatmäßigen Centerverteidiger Anton Spanjol und Haris Hadjioannou zunächst auf der Bank wieder, während zwei Jugendspieler und Altmeister Eric Valentines das Spiel begannen. „Zum einen wollte ich ihren unerbittlichen Trainingsehrgeiz belohnen, zum anderen war es auch ein taktischer Kniff. Ich habe erwartet, dass es ein langes Spiel werden wird, da die Darmstädter Kämpfer sind und sich zuhause niemals geschlagen geben. Für diesen Fall wollte ich unsere erfahrenen Kräfte für den Schlussabschnitt etwas schonen.“

Pokalkrimi mit Happy End

München schlägt nach furioser Aufholjagd die SGW Leimen/Mannheim nach 5-Meter-Werfen mit 17:16.

„Zweimal haben wir hier im Olympiabad in dieser Saison schon einen Krimi knapp verloren, endlich hat es mit einem Sieg geklappt. Es war unser letztes Spiel im schönsten Hallenbad Deutschlands in dieser Saison und als Trainer ist man natürlich überglücklich über dieses Wahnsinns-Spiel“, konnte Spielertrainer Ivan Mikić das Glück kaum fassen. Es dauerte auch seine Zeit bis er die vergangenen 1½ Stunden verarbeitet hatte und zu seiner gewohnt analytischen und emotionslosen Spielanalyse zurückkehrte.

Vor dem Spiel waren die Männer von der Isar optimistisch und strotzten, trotz des schwachen letzten Spiels gegen Würzburg und der Tatsache, dass der Gast aus Leimen klarer Titelfavorit ist, vor Selbstvertrauen. Die Vorbereitung war trotz der Osterpause gut und mit Matthias Krimphove, Ignacio Marian de Diego und dem wegen einer Ellenbogenverletzung vier Monate pausierenden Torwart Robert Idel kehrten drei Säulen wieder in die Mannschaft zurück. Ferner lud Kapitän Marko Ristić am Vorabend des Pokalkrachers zu einer Videoanalyse des letzten Spiels ein. „Damit wir nicht schon wieder die gleichen Fehler machen“, so Ristić. Man hatte das letzte Spiel gegen Leimen nicht vergessen, als man schon 4:1 führte und dann von Leimener Cleverness sowie eigenen Unzulänglichkeiten überrumpelt wurde und am Ende 9:10 verlor. Diesmal sollte es anders laufen.